Elitäre Bildungseinrichtungen oder “Bildung für Alle”

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Zum Artikel “Europäisch aufstellen” aus der Siegener Zeitung vom 13. Mai 2011, S.6.

Im Audimax der Universität Siegen fand kürzlich eine Veranstaltung über die Zukunft der Universitäten in Europa mit dem niederländischen Autor und ehemaligen Präsidenten der Universität Maastricht sowie Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaften, Jo Ritzen statt. Hier stellte er Inhalte und Thesen aus seinem neuen und in deutscher Sprache erschienenen Buch „Eine Chance für europäische Universitäten“ vor.
Unserer Ansicht nach handelt es sich um eine sozialreaktionäre Schrift, da der Autor sich massiv für Elitenbildung, Konkurrenz der Hochschulen untereinander, der Finanzierung der Universitäten durch Studiengebühren und einer inhaltlichen Ausrichtung universitärer Wissensvermittlung auf die ausschließlichen Bedürfnisse von Unternehmen ausspricht. Auf das Wohl der Allgemeinheit ausgerichtete Forschung und Entwicklung spielt in diesem Kontext keine Rolle. Die Öffnung der bundesdeutschen und europäischen Bildungseinrichtungen auch für jene Menschen, die nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügen, um die o. g. Studiengebühren und sämtliche anfallenden Kosten zu finanzieren, ist nicht vorgesehen. Denn der Verweis auf „soziale Darlehen“ zur Finanzierung eines Studiums, die es ja nach Aussage der Bundesbildungsministerin heute schon gibt – die Realität stellt sich aber ganz anders dar -, kann nur als Feigenblatt betrachtet werden, um eine weitere elitäre Ausrichtung zu befördern.
Die Aussage des Rektors unserer Hochschule, Prof. Dr. Holger Burckhardt, dass die Entwicklungsfähigkeit der Universität Siegen dadurch eingeschränkt sei, das 80 Prozent der vorhandenen Mittel in den Personalbereich flössen, muss als Angriff auf die Rechte des wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Personals gesehen werden. Er betrachtet sie ausschließlich als Kostenfaktor, den es zu minimieren gilt. Ein radikaler sozialer und rechtlicher Kahlschlag kann nur durch den gemeinsamen Kampf der Betroffenen, aller Studierenden und Beschäftigten, für humane Arbeits- und Lernbedingungen erreicht werden. Die Frage lautet, in welcher Universität wollen WIR Leben, Lernen und Arbeiten? In einer die nichts gelten lässt, außer der strammen Ausrichtung auf den Markt? Oder in einer Universität, die von Studierenden und Beschäftigten gerne besucht wird? In der gemeinsam daran gearbeitet wird, Menschen im Sinne einer demokratischen Gesellschaftsordnung auszubilden?
Der SDS.Die Linke Siegen entscheidet sich klar für letzteres und setzt seine Kräfte dafür ein. Demokratie und Freiheit sind die Bezugspunkte für unser Handeln und nicht die Verkürzung auf Elitenbildung und Marktkonformität!

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