Die Bertelsmann-Hochschulen: Eine neue Kultur des Gegeneinanders?

Wo hakts im Hirn, Herr Rektor?Kochtöpfe, Hotels, Matratzen, Fachärzte – für fast alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche gibt es sie: Rankings. Konkurrenzdenken und Effizienzkriterien des Marktes.  Auch vor  unseren Hochschulen machen sie nicht halt. Die bekannteste und wohl bedeutendste Hitliste für höhere Bildung in Mitteleuropa wird jährlich vom Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im Studienführer der ZEIT herausgegeben.

Auch die Uni Siegen nimmt am CHE-Hochschulranking teil. Die Fakultät I mittlerweile sogar gegen den eigenen Willen. Diese hatte sich, wie zahlreiche deutsche Wissenschaftsverbände, Universitäten und gar ganze Länder einmütig gegen eine Teilnahme an den methodisch und politisch fragwürdigen Ranglisten entschieden. Das stört unseren Rektor allerdings wenig. Er fürchtet um den Ruf und die Vorteile der Universität im internationalen Konkurrenzkampf und hat daher die Umfragen und Daten für die Fakultät I kurzerhand selbst eingepflegt. Die Mitglieder des Fakultätsrats beschwichtigte er, diese sollten doch noch ein mal in sich gehen und dann die Fragen des CHE beantworten. Diese „diplomatische“ Bitte kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein demokratisch legitimiertes Gremium von der Unileitung einfach übergangen wurde.

Aber warum sollte diese kleine hochschul-politische Streitigkeit irgendjemanden interessieren? Was ist so schlimm daran, dass Universitäten in einem Ranking um die besten Plätze konkurrieren?

Hier eine kleine Stichprobe der „Kriterien“ des CHE: Es geht z.B. darum, wie viele Drittmittel die einzelnen Professor*innen einwerben oder wie oft ihre Publikationen zitiert werden. Die Studienqualität selber wird auf Grundlage von Studierendenbefragungen ermittelt. Von den Fragebögen kommen aber meistens zu wenig zurück, was übrig bleibt, sind äußerst subjektive Einschätzungen, die keinerlei Repräsentativität besitzen.

Hinzu kommt, dass das Ranking nur vom CHE ausgerichtet wird. Und wem stehen die nahe? Der Bertelsmann-Stiftung, also demjenigen neoliberalen Think-Tank, dem wir Bachelorreformen, das Hochschulfreiheitsgesetz und das Leitbild einer „unternehmerischen Hochschule“ zu verdanken haben. Allerdings tut sie das keinesfalls, wie ihre Ausrichtung als „gemeinnützig“ suggeriert, aus Altruismus. Vielmehr profitiert der Bertelsmannkonzern in hohem Maße von den Umstrukturierungsprozessen, welche den Unis abverlangt werden, wollen sie im Ranking nach oben steigen.

Wem nützt das CHE-Hochschulranking wirklich? Warum ist der Rektor so erpicht darauf, die Daten sogar gegen den Willen wichtiger Gremien an das CHE weiterzuleiten? Welche Kritik im Detail lässt sich an dem Verfahren üben? Und warum geht das uns Studierende auch etwas an? Zu allen diesen Fragen werden wir, der SDS.dielinke Siegen am 08.05.2013, 18:00 Uhr im Kultkaff einen Vortrag veranstalten, zu dem wir Euch hiermit herzlich einladen! Sprechen werden Prof. Dr. Clemens Knobloch, (Lehrstuhl Germanistik- Sprachwissenschaft I der Universität Siegen, Vorsitzender des Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW) sowie Janis Ehling (Mitglied im Bundesvorstand von Die Linke.SDS, AStA-Referat für Kritische Wissenschaft Marburg).

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