11. September 2011 – 38. Todestag Salvador Allendes

11. September

Er sagt: Es ist nicht vorbei.
Nein, antworte ich
vorbei ist es nicht
Der Elfte September, sagt er
der Elfte September ist nicht
vorbei.

Recht hast Du, er lebt
antworte ich. In unseren
Herzen, da wird
der Elfte September leben

Und die Flugzeuge.
Ja, sagt er – und die Flugzeuge.
Und die Bomben, sage ich.
Welche Bomben, fragt er

Die Bomben, die an
den Flugzeugen hingen
bis zum Abwurf
sage ich.

Da waren keine Bomben
sagt er. Die Flugzeuge waren
die Bomben.
Nein, antworte ich. Sie
warfen sie
ab.

Damals, am Elften September
in Santiago de Chile
als die Flugzeuge den
Präsidentenpalast bombadierten
als Allende ermordet wurde
und die vielen anderen.

Ach, sagt er, den
Elften September meinst Du.
Ja, antworte ich,
den Elften September meine ich.

(Leander Sukov)


Salvador Allende - Floh De Cologne (aus dem Album “Mumien”, 1974)
  

Erklärung des Sprecher_Innenrates des SDS.DIE LINKE Siegen zum 11. September

Am 11. September jährt sich erneut eines der offensichtlichsten und schlimmsten Verbrechen des internationalen Kapitals und seiner imperialistischen Handlanger – der faschistische Putsch gegen die sozialistische Regierung Salvador Allendes im Jahre 1973. Allendes „Unidad Popular“ war im Jahr 1970 demokratisch gewählt worden und hatte in der Folgezeit den Aufbau einer sozialistischen, freiheitlichen Gesellschaft vorangetrieben.

Da der Aufbau einer solchen Gesellschaft selbstverständlich mit  der Vergesellschaftung  und Befreiung der Bodenschätze und des Ackerlandes einhergeht, war Chile schnell im Mittelpunkt antikommunistischer Agitation, vor allem, weil gerade die USA es nicht dulden konnten, dass in „ihrem Hinterhof“ ein demokratisch gewählter Präsident die Vorherrschaft des Kapitals brach.

Was folgte war Terror in seiner reinsten Form. Unterstützt u.a. durch den CIA, folterten und ermordeten die faschistischen Angreifer bereits am 11. September tausende vermeintliche und tatsächliche Anhänger Allendes. Salvador Allende selbst fiel noch am 11. September im Kampf um den Präsidentenpalast. Nach dem Sieg der Konterrevolution erfüllte Pinochet willfährig die Wünsche des internationalen Kapitals und privatisierte die Staatsbetriebe und leitete einen allgemeinen Sozialabbau ein, während gleichzeitig unzählige Chilenen fliehen mussten. Tausende der geflohenen Chilenen fanden dabei Zuflucht in der DDR, welche ihnen Asyl gewährte: ein Akt der Humanität – ganz im Gegensatz beispielsweise zum damaligen Papst Johannes Paul II., welcher es sich nicht nehmen ließ 1987  mit Pinochet auf dem Balkon des Präsidentenpalastes zu stehen, in welchem Allende seinen Tod fand. Seelenheil schien wohl für Johannes Paul II. auch faschistischen Massenmördern zuzustehen, solange sie sich seinem heiligen antikommunistischen Kreuzzug u.a. gegen die Befreiungstheologen anschlossen. Pinochet selbst kommentierte seine Taten einmal selbst mit dem Ausspruch: „Die Demokratie muss gelegentlich im Blut gebadet werden“. Aber auch Deutsche wie der Klerikalfaschist Paul Schäfer unterstützen Pinochet offen, indem sie ihre Sektenfestung „Colonia Dignidad“ dem Geheimdienst zum Foltern zur Verfügung stellten. Die Täter von damals wie bspw. Hartmut Hopp aus Krefeld (in Chile u.a. wegen Kindesmissbrauch verurteilt) zur Rechenschaft zu ziehen, wird leider in der heutigen BRD verhindert.

Wir gedenken Salvador Allende und aller am 11. September 1973 in Chile Ermordeten.

iVenceremos!

Zum Schluss soll an dieser das letzte Gedicht des chilenischen Volkssängers Victor Jara stehen, welcher dies noch im Angesicht seines nahenden Todes interniert im Santiagoer Stadion verfasste. Victor Jara starb singend und aufrecht nachdem man ihm die Hände gebrochen hatte, unter dem Terror der Faschisten. Auch ihm unser Gedenken.

Es sind fünftausend von uns hier
in diesem kleinen Stückchen Stadt.
Wir sind fünftausend.
Ich wüßte gern, wie viele wir sind
in den Städten und im ganzen Land?
Hier allein
sind zehntausend Hände, die pflanzen
und die Fabriken betreiben.
Wieviel Menschlichkeit
ausgesetzt dem Hunger, der Kälte, der Angst, der Qual,
der Unterdrückung, dem Terror, dem Wahnsinn?
Sechs von uns sind verloren
wie im Weltraum.
Einer tot, einer geschlagen, wie ich nie geglaubt hätte,
daß ein Menschenwesen geschlagen werden kann.
Die anderen vier wollten ihre Qualen beenden –
einer sprang ins Nichts,
einer schlug den Kopf gegen die Mauer,
aber alle mit dem starren Blick des Todes.
Was für ein Grauen die Fratze des Faschismus schafft!
Sie führen ihre Pläne mit der Präzision von Messern aus.
Ihnen ist alles gleich.
Für sie ist Blut wie ein Orden,
Schlächterei eine Heldentat.
O Gott, ist das die Welt, die du geschaffen hast?
Dafür deine sieben Tage voll Wundern und Taten?
In diesen vier Wänden gibt es nur eine Zahl,
die sich nicht vermehrt.
Die sich mehr und mehr nach dem Tode sehnt.
Aber plötzlich erwacht mein Gewissen
und ich sehe diesen Strom ohne Herzklopfen,
nur den Rhythmus von Maschinen
und die Militärs, die ihre Hebammen-Gesichter aufsetzen,
voller Zärtlichkeit.
Laßt Mexico, Cuba und die Welt
gegen diese Schändlichkeit protestieren!
Wir sind zehntausend Hände,
die nichts produzieren können.
Wie viele von uns im ganzen Land?
Das Blut unseres Präsidenten, unseres compañeros,
wird kühner kämpfen als Bomben und Maschinengewehre!
Auch unsere Faust wird wieder kämpfen.

Wie schwer ist das Singen,
wenn ich den Schrecken singen muß.
Den Schrecken, den ich lebe,
den Schrecken, den ich sterbe.
Mich selbst unter so vielen sehen
und so viele Augenblicke der Unendlichkeit,
in denen Schweigen und Schreie
das Ende meines Gesanges sind.
Was ich sehe, habe ich nie gesehen.
Was ich gefühlt habe und was ich fühle,
wird den Augenblick erschaffen …

(Quelle: http://www.acampitelli.com/victor_jara_letztes_gedicht.htm)

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